Puh, der Anfang meiner Zwei-Kind-Mutterschaft war ganz schön hart und ich habe in der ersten Zeit wohl mehr geheult, als in meinem ganzen bisherigen Leben – aus Glück, aus Liebe, aber auch aus Sorge und aus schlechtem Gewissen.
Um ehrlich zu sein, hatte ich bereits im Krankenhaus ein wenig Angst wieder nach Hause zu gehen, weil ich auf einmal einfach nicht wusste, wie ich mit zwei Kindern klar kommen sollte. Wie würde die Granate mit dem kleinen Krümel umgehen, was würde sie machen, wenn ich stundenlang am Stillen oder Fläschchen geben war? Dabei war sie im Krankenhaus herzallerliebst mit ihrem kleinen Brüderchen, der endlich da war. Sie war so froh und Stolz, dass es eigentlich gar keinen Grund zur Sorge gab. Dennoch war ich alles andere als entspannt. Das lag vermutlich aber auch daran, dass der Krümel so nicht geplant war. Wir wollten zwar ein zweites Kind, das aber eigentlich erst, wenn die Granate so drei wäre. Tja, nun kam der Krümel schon, wenn die Granate noch nichtmal zwei Jahre alt war. Damit hatte ich am Anfang schon ein wenig zu kämpfen, aber hey, kneifen galt nicht, also Augen zu und durch.

Ich machte mir also die schlimmsten Vorstellungen von der Enttrohnung der „großen“ Schwester und war dann erstmal positiv überrascht, als zu Hause so gar keine Spur von Eifersucht zu erkennen war. Glücklicherweise war der Krümel so freundlich sein Erscheinungsdatum auf die Sommerferien zu legen, was einfach ein unschätzbarer Vorteil ist, wenn man einen Papa hat, der Lehrer ist. Also konnte der Papa ganz viel Qualitytime mit der Granate verbringen, während ich mich voll und ganz aufs Ankommen und Kennenlernen mit dem Krümel konzentrierte. Natürlich verbrachte ich auch viel Zeit mit meiner Großen, band sie in die Pflege des Kleinen ein, so gut es eben mit ihren zwei Jahren ging, und ließ sie ihn knuddeln und knutschen, so viel sie wollte. Und sie war weiterhin eine verliebte, stolze und glückliche große Schwester.
Das änderte sich zum Glück auch nicht, als sie dann nach gut drei Monaten irgendwann mal feststellte, dass der Krümel auf Dauer bei uns blieb und nicht wieder wegging. Da kam die Eifersucht dann mit Macht. Ich dumme Gans hatte mich bis dahin in Sicherheit gewiegt, hatte ich mich doch über die Enttrohnung der Erstgeborenen ein wenig belesen und was man da so las, besagte, dass der ganze Spuk in der Regel nach 12 bis 16 Wochen vorbei sei. Entweder ist unsere Granate, die Ausnahme von der Regel oder ich habe es einfach falsch verstanden. Wie dem auch sei, die Eifersuchtskelle gab mir einen ordentlichen Klatscher auf den Hinterkopf. Glücklicherweise ließ die Granate ihre Wut, Trauer, Eifersucht nie an dem kleinen Krümel aus, sondern immer an mir. Dafür wurde dann geklammert, gebockt und geheult, wann immer es ging. Dass der Papa sich abends oder nachts um sie kümmerte, war plötzlich undenkbar und sie schrie wie Spieß.

Zwei Wochen nach der Geburt musste dann auch der Papa wieder arbeiten und ich war öfter mit den Beiden alleine und da nahm dann irgendwann das Drama seinen Lauf. Ich weiß gar nicht mehr genau, warum, aber natürlich, gab es immer wieder Situationen, in denen der Krümel nicht gut drauf war und die Granate auch nicht. Dann schrie der Krümel und die Granate ließ auch nicht lange auf sich warten. Und natürlich wollte die Große ausschließlich von mir getröstet werden – alleine! Ohne das blöde Anhängsel auf Mamas Arm! Wenn das Anhängsel aber gerade auch am Schreien war, war das natürlich nicht möglich und so wurde es zeitweise immer schlimmer, bis schließlich auch ich heulte – aus Hilflosigkeit und vor lauter schlechtem Gewissen. Wie oft saß ich auch mit dem Krümel auf dem Sofa und heulte, weil ich mich für die schlechteste Mutter ever hielt, und das gerne auch mal obwohl die Granate glücklich und zufrieden bei den Großeltern oder Papa war. Wie konnte ich ihr das antun, dass sie mich nun teilen musste, dass ich so viel Zeit mit dem Krümel verbrachte und sie teilweise nicht mal exklusiv trösten konnte?
Diejenigen von euch, die schon zwei oder mehr Kinder haben, werden vermutlich wissen was ich meine. Und ihr werdet auch wissen, dass auch das nur eine Phase von unendlich vielen ist und wieder vorübergeht. Sozusagen die Drei-Monats-Koliken der Mutterschaft.
Denjenigen von euch, denen das noch bevor steht oder die gerade mitten drin stecken, kann ich sagen: auch das ist nur eine Phase von unglaublich und geht wieder vorüber. Bei manchen schneller, bei anderen dauert sie länger, aber es geht vorüber! Und: ihr seid keine schlechten Mütter. Auch wenn ihr es nicht immer beiden Recht machen könnt. Ist das hart? Klar! Treibt einen das zuweilen an den Rand des Erträglichen? Vermutlich auch manchmal. Aber es ist kein Weltuntergang! Natürlich sind die Großen erstmal wütend oder traurig, enttäuscht, verletzt oder alles zusammen, wenn sie auf einmal Mama und Papa teilen müssen. Das Schöne ist aber, dass sie und wir irgendwann erkennen, dass sie auch etwas Tolles dazugewonnen haben: ein Geschwisterchen nämlich, mit dem man Spaß haben kann, das lacht, wenn man Quatsch macht, dem man die Welt erklären kann, mit dem man sich gegen Mama und Papa verbünden kann und, dass einen unglaublich und von ganzem Herzen liebt. Als dieser Gedanke langsam anfing in meinem Kopf zu keimen, ging es mir immer besser. Ich versuchte mit immer wieder vor Augen zu führen, dass es kein Verlust für die Große war, sondern ein Zugewinn an Liebe, Freundschaft und Spaß und, dass es besser werden würde, je älter der Kleine werden würde. Und so war es auch.

Als der Krümel sechs Monate alt war, fing er so langsam an, richtig auf die Granate zu reagieren, was die wiederum total glücklich machte und es wurde besser. Auch jetzt nach einem Jahr gibt es natürlich noch Situationen, in denen ich an meine Grenzen stoße und heule oder heulen könnte, weil ich unsagbar müde bin oder denke, dass ich eine schlechte Mutter bin, aber es kommt bei weitem nicht mehr so häufig vor. Dafür werden die Momente immer häufiger, in denen ich heule oder heulen könnte, weil meine beiden Chaosköpfe total süß miteinander sind oder irgendeinen Quatsch machen und sich darüber total begeiern oder weil sie sich unglaublich lieb haben.
Also bleibt es wohl so, die Mutti heult, aber aus weitaus schöneren Gründen.

Herzlichst
Deine JennyPenny