Ich habe mal gehört, es soll Kinder geben, die gehen gerne ins Bett, die sich aufs Bett freuen und abends deshalb sogar den Wunsch äußern ins Bett gehen zu wollen.
Meine Chaoskinder gehören definitiv nicht dazu. Lieber fallen sie komatös um, bevor sie zugeben, dass sie müde sind. Ich glaube, die Gelegenheiten, an denen die Granate zugegeben hat, dass sie müde ist und ins Bett möchte, kann ich an zwei Händen abzählen. Und das war meist auch spät abends nach einer Familienfeier.

Bei uns sieht das abends eher so aus: Um sechs gibt es in der Regel Abendbrot. Oftmals haben wir dann das Gefühl, dass beide Kinder kaum noch ihre Augen aufhalten können, weil der lange Tag einfach seinen Tribut fordert. Dann wächst die Hoffnung auf einen nicht chaotisches Abendritual und ein schnelles Zubettgehen der Kinder. Was soll ich sagen, „Hoffen und harren macht manchen zum Narren“ beschreibt es wohl am allerbesten. Denn egal wie kurz die Augen beim Essen noch vorm Zufallen sind, sobald die Kinder sich vom Tisch entfernen, steppt hier der Bär. In der halben Stunde, die dann noch bis zum Umziehen, Zähneputzen und Sandmännchen schauen bleibt, wird getobt als gäbe es kein morgen mehr. Da wird die Couch samt Couchtisch zur Turnhalle umfunktioniert oder die beiden Chaoskinder jagen sich laufend oder krabbelnd durch das gesamte Wohnzimmer oder es muss noch eine schnelle Luftballonparty abgehalten werden. Egal was sie machen, hauptsache es ist laut und wild. Es ist wie bei einem Akku mit Powerladefunktion, das Abendbrot scheinen die Kinder umgehend in Energie umwandeln zu können. Erstaunlich und manchmal macht es mich auch ein wenig neidisch, denn ich bin nach dem Abendbrot hauptsächlich eines und zwar müde.

Anfangs habe ich noch versucht, sie zu beruhigen oder auch zu ermahnen, dass es jetzt eigentlich Abend ist, Zeit ruhig zu werden, aber das bringt mal so gar nichts. Ich stoße mit meinem Gerede einfach auf taube Ohren. Also habe ich es drangegeben. Sollen sie halt noch ein bisschen toben, wenn sie das Brauchen um besser ins Bett gehen zu können.

Warum heißt der Scheißjob der Woche dann aber „Bändiger/in der wilden Meute“? Weil sie dann ja irgendwann doch mal eingefangen und beruhigt werden müssen. Im besten Fall wiederhole ich meine Standardsätze dann gefühlte drölfunddreißig Mal, bekomme zwar keine Antwort, aber sie bewegen sich wenigstens Richtung Badezimmer und Kinderzimmer. Im schlimmsten Fall bewegen sich die Kinder auch – aber nicht in die gewünschte Richtung und ich fühle mich wie im falschen Film… bei Tom und Jerry vielleicht oder wie beim Roadrunner und immer bin ich die Blöde, die hinterher hechelt.

Glücklicherweise liegen bei beiden Varianten die Chaoskinder früher oder später im Bett und egal wie überhaupt gar nicht müde sie behaupten zu sein, sind sie ebenso glücklicherweise meistens recht schnell im Traumland verschwunden.
Das wilde Meute bändigen ist aber nicht nur abends angesagt (dass dann aber recht zuverlässig), sondern auch wenn man gerade wegfahren will und es gilt die Kinder für draußen anzuziehen und umso mehr natürlich wenn man im Zeitdruck ist – Kindern ist das ja leider/glücklicherweise so ziemlich egal.

Ich bin übrigens ziemlich überzeugt, dass mich der Stress durchs Bändigen so mindestens hundert Jahre altern lässt – jedes Mal. Aber wie Michael Mittermeier es früher schon so treffend formulierte „… aber wenn sie dich dann einmal anlächeln…“
In diesem Sinne wünsche ich dir viel Erfolg beim Bändigen deiner wilden Meute und noch eine schöne Woche!

Herzlichst
Deine JennyPenny